Industriearcheologie,Zeche Emscher-Lippe

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+++ Eine Zeitreise über das Gelände der Zechenbrache Emscher-Lippe 3/4 +++ +++ Eine Zeitreise über das Gelände der Zechenbrache Emscher-Lippe 3/4 +++


Wir schreiben das Jahr 2011.
   Nach Stilllegung der Zechen Emscher-Lippe 1-4 sind über 40 Jahre vergangen. Die Zeugnisse des Bergbaus in Datteln sind alle verschwunden. Nur in den Köpfen der älteren Generation hat der Bergbau noch einen festen Platz.
   Aber halt! Sind wirklich keine Spuren des Bergbaus in Datteln mehr zu finden. Unsere unerschrockenen Kumpel von der Bunkeranlage an der Heibeckstraße können das nicht ganz glauben.
Der Auftrag lautet:
Sucht und dokumentiert die noch vorhandenen Einrichtungen der Zechen Emscher-Lippe, solange diese noch vorhanden sind.

Wir beginnen unsere Expedition am Eingang unseres Stollensystems. Die ersten verfallenen baulichen Einrichtungen finden wir keine 30 Meter entfernt vom Bunker. Wir finden vier aus Bruchstein erstellte Mauern. Jeweil zwei links, zwei rechts eines Bachlaufs. Welchem Zweck könnten diese Mauerteile gedient haben.



Die vier Mauerfragmente gehörten in den 1930 Jahren zu einer Eisenbahnbrücke. Die Strecke führte damals über das Gelände, auf dem heute die Abraumhalde der Zeche Emscher-Lippe 3/4 angeschüttet ist. Sie endete auf dem heute brachligendem Speeck Gelände.

Unser Weg führt uns weiter über das Gelände der ehemaligen Zechenanlage Emscher-Lippe 3/4. Das dicht bewachsene ehemalige Zechengelände verlangt uns Vieles ab. Es ist feuchtwarm an diesem Tag. Wir fühlen uns wie im Dschungel Brasiliens, durchgeschwitzt bis auf die Haut. Hinter jedem Strauch lauert die Gefahr. Sehen wir von Zecken und anderem Kleingetier ab, so begegnen uns auch größere einheimische Spezies. So gibt es hier jede Menge wolfsähnliche Tiere, die uns teilweise mit gefletschenden Zähnen gegenüberstehen. Wir laufen einen schmalen Weg entlang, der früher wohl eine Straße gewesen sein muß. Linkerhand geht es gut vier Meter in die Tiefe. Am Grunde der "Schlucht" fließt ein Bach leise dahin. Rechterhand finden wir, im dichten Unterholz versteckt, riesige Betonsockel mit einem dicken Überzug aus Moosen und Flechten. Was hatten diese Bauten für Verwendung. Waren es Tempelanlagen einer früheren Zivilisation?  NEIN!  





Die Maße dieser Sockel sind beachtlich. So haben sie eine Höhe von 200 cm, eine Tiefe unten von 180 cm und oben von 100 cm. Die Breite liegt unten bei 530 cm und oben bei 450 cm. Zwei dieser Sockel sind gut zur Hälfte im Erdreich verschüttet.
   
Auf alten Luftbildaufnamen kann man erkennen, wofür diese Konstruktionen nötig waren. Es handelt sich um Fundamente der Eisenbahnbrücke, die zur Abraumhalde auf der anderen Seite des Kanals führte.

Linkerhand im Tal können wir versteckt hinter Bäumen und Sträuchern zwei alte Metallkonstruktion erkennen, die den schon erwähnten Bach überspannt. Was kann das gewesen sein.




Wir können nur vermuten, daß es sich bei der größeren Anlage um eine alte Rohrbrücke oder ähnliches handelt. Auf Grund der Bauart der zweiten Konstruktion steht zweifelsfrei fest, daß es sich um eine Rohrleitung handelt. Wofür sie benötigt wurde, ist zunächst nicht zu klären.

In direkter Nachbarschaft sind im Boden seltsame Metall und Betonelemente zu erkennen. Wozu haben diese Einrichtungen gedient?


Eine Klärung wird sich schwierig gestalten. Es könnte eine Schutzeinrichtung für die Rohrbrücke gewesen sein. Zu klären ist aber auch dieses wohl nicht mehr.

+++ Eine Zeitreise über das Gelände der Zechenbrache Emscher-Lippe 3/4 +++ +++ Eine Zeitreise über das Gelände der Zechenbrache Emscher-Lippe 3/4 +++


Wir wenden uns nach rechts und laufen über einen fast zugewachsenen Weg. Am Ende gelangen wir auf eine große Lichtung.
Hier entdecken wir zwei eingezäunte Geländeteile, eines davon mit seltsamen Aufbauten. Handelt es sich hier um einen alten Marktplatz unserer Vorfahren.
Nein!


Es handelt sich hierbei um die Standpunkte des Schachtes 4 im Vordergrund, sowie des Schachtes 3 im Hintergrund rechts, zu erkennen an dem Erdgasrohr mit Protegohaube.

Unweit der Schachtabdeckung von Schacht 3 der Zeche Emscher/Lippe finden wir im Unterholz versteckt einen mit Graffiti verschmierten Tank. Wie lange steht er hier schon unbeachtet im Wald.



Nach genauerer Untersuchung finden wir ein Schild, welches uns Auskunft gibt. Gebaut wurde der Tank im Jahr 1980. Somit kann er nicht zur Ausrüstung der Schachtanlagen gehört haben, den diese haben bekanntlich im Jahr 1972 den Betrieb eingestellt. Sehrwohl könnte dieser Tank noch zur Kokerei gehört haben. Wir versuchen für euch etwas darüber herraus zu bekommen.

Wir folgen dem an dieser Stelle asphaltierten Weg nach links.
Rechts erkennen wir wieder Fundamente im Boden. Auch hier hat sich die Natur ihren Raum zurück erobert. Worum handelt es sich hier nur, und aus welcher Zeit stammen diese Überreste. Könnte es ein Altar gewesen sein?
Nein!


Es handelt sich hier um eine Waage für LKW oder ähnliches. Auf den ersten beiden Bildern erkennt man die Fundamente des Wiegehauses. Auf dem Bild links die Wiegeeinrichtung. Ob diese  Anlage von der Zeche Emscher-Lippe 3/4 stammt, oder von dem hier später ansässigem Schrotthändler ist, ist uns nicht bekannt. Wer weiß genaueres? Bitte melde euch hierzu!

Wir baten darum, Euch zu melden und uns mitzuteilen, wann die Waage auf dem Gelände der Zeche Emscher-Lippe 3/4 erbaut wurde. Eine Information hierzu erreichte uns nur Stunden nach der Fragestellung. Die auf den Fotos zu erkennenden Überreste der Waage gehörten ausschließlich zu dem seinerzeit ansässigen Schrotthändler, der sich nach Abriß der Förderanlagen hier niedergelassen hatte.

+++ Eine Zeitreise über das Gelände der Zechenbrache Emscher-Lippe 3/4 +++ +++ Eine Zeitreise über das Gelände der Zechenbrache Emscher-Lippe 3/4 +++


Bewegen wir uns nun in Richtung Westen. Nach ca. 20 Metern kommen wir an einen deutlichen Versatz im Erdreich, der zunächst durch eine Betonwand abgegrenzt wird. In nordwestlicher Richtung verändert sich das Bild. So wird hier der Höhenunterschied durch alte Bahnschwellen- und Gleisprofilen abgestützt. Was kann das gewesen sein?


Die hier zu erkennenden Einrichtungen sind noch gut in Schuß.
Die Laderampe ist in diesem Bereich ebenfalls gut zu erkennen.

Der Verfall ist hier deutlich zu erkennen.
Hier kann man erahnen wo die Gleise gelegen haben. Der Bewuchs ist im  ehemaligem Gleisbereich spärlicher. So wachsen hier keine Bäume.



Sehen wir uns alte Bestandslisten der Zechenanlage Emscher-Lippe 3/4 an, so können wir erkennen, daß hier in früheren Zeiten Gleise gelegen haben. Es handelt sich um eine ca. 200 Meter lange teils gut erhaltene Laderampe. Aber auch der Verfall hat hier schon deutliche Spuren hinterlassen.Die Gleise, die hier in der Vergangenheit verlegt waren, führten zum Maschinenhaus des Schacht 3. Bewegt man sich in diesem Bereich so meint man, die Arbeiter, die die Waggons beladen, sprechen zu hören. Man kann das Pfeifen der Dampfloks erahnen. Auch die Geräusche der Förderanlagen sind zu vernehmen.

Wir bewegen uns weiter in westlicher Richtung. Nach ca. 5 Minuten können wir zwischen den Bäumen Reste von einer Mauer entdecken. Handelt es sich hier um eine alte Stadtmauer. Nein!




Es handelt sich hier um ein noch vorhandenes Stück der alten Werksmauer Emscher-Lippe 3/4. Sie trennte das Werksgelände von der Wohnbebauung der Beisenkampsiedlung. Auch hier hat der Zahn der Zeit schon genagt. Allerdings in anderer Form als bisher. So sind die zu erkennenden Schäden ausschließlich durch Vandalismus entstanden.

An dieser Stelle drehen wir um und halten uns rechts. Nachdem wir das Dickicht verlassen haben, treffen wir nach gut 10 Minuten auf asphaltierten Boden. Dieser Weg macht den Eindruck, als wenn er in der Vergangenheit sehr wichtig gewesen sein mußte. In unregelmäßigen Abständen durchziehen lange Metallelemente den Boden. War es eine Prachtstraße, auf der die Einwohner ihrer Götter huldigten?
Nein!  







Es ist die Fortsetzung der Zufahrt Emscher-Lippe 3/4 von der Heibeckstraße her. Der gnädige Asphalt hat an diesen Stellen verhindert, daß die Gleise der schmalspurigen Bergwerksgleise aus dem Boden gerissen worden sind. Die Spurbreite betrug ca. 65 cm und führten früher über ein Großteil des Geländes.

Nachdem wir nun fast eine Stunde auf dem Gelände unterwegs waren, haben wir eine Menge Spuren der Schachtanlagen Emscher-Lippe 3/4 entdeckt. Dies gibt uns Hoffnung, noch mehr Überbleibsel ausfindig zu machen und zu dokumentieren. Fürs Erste muß es reichen. Wir beenden unsere Expedition in die Vergangenheit und kehren nach Hause zurück.

+++ Eine Zeitreise über das Gelände der Zechenbrache Emscher-Lippe 3/4 +++ +++ Eine Zeitreise über das Gelände der Zechenbrache Emscher-Lippe 3/4 +++


Expedition 2!
Zwei Wochen sind seit unserer letzten Expedition auf das Gelände der Zeche Emscher-Lippe 3/4  vergangen. Es wird Zeit, daß unsere mutigen Bergmänner des Bergmannsverein Bergmannsglück e.V. Datteln 1957 sich erneut auf die Suche nach Resten der Einrichtungen der Zechenanlagen machen.

Unsere heutige Expedition starten wir am Parkplatz der Kinderklinik an der Herdieckstraße.Wir bewegen uns auf befestigtem Grund in südöstliche Richtung. Schon nach wenigen Metern erreichen wir alte mit Stahl verkleidete Fundamente. Welchen Zweck erfüllten diese Bauten?  




Hier handelt es sich um die Brückenfundamente einer alten Eisenbahnbrücke. Diese verband das Gelände der Zechenanlagen 1/2 mit dem der Zechenanlage 3/4. Das heute nicht mehr vorhandene Brückenelement war als Balkenbrücke ausgeführt. In ähnlicher Form können wir die Eisenbahnbrücke heute als Kanalüberführung der Hamm-Osterfelder-Eisenbahn am alten Kraftwerk sehen.

Brücke über den Kanal an den Kraftwerksblöcken 1-3 in Datteln.

In der direkten Nachbarschaft der Brückenköpfe finden wir lange Reihen von Stelen. Wozu haben sie gedient?



Es handelt sich hier um Zaunpfähle, die das ehemalige Bahngelände zur Herdieckstraße abgrenzten.

+++ Eine Zeitreise über das Gelände der Zechenbrache Emscher-Lippe 3/4 +++ +++ Eine Zeitreise über das Gelände der Zechenbrache Emscher-Lippe 3/4 +++


Wir bewegen uns auf befestigtem Grund weiter in Richtung Osten. Nach kurzer Zeit stoßen wir auf eine Wasserstraße, den Dortmund-Ems-Kanal. Hier biegen wir nach links ab und erreichen nach kurzer Zeit eine immer noch imposante Hafenanlage.
Wozu wurde sie in der Vergangenheit genutzt?
Sind von hieraus Überseeschiffe mit Auswanderern gestartet. Die Vermutung liegt nahe, denn es liegen ja schließlich nur sechs Schleusen zwischen Datteln und New York.



Der letzte vorhandene Puffer der Verladeanlagen Emscher-Lippe 3/4.

Auf dieser Anlage standen in der Vergangenheit zwei Krane, die für das Be- und Entladen der eintreffenden Schiffe zuständig waren.Das folgende Foto zeigt einen Kran in ähnlicher Ausführung.


Wir folgen der Kaimauer in Richtung Liegehafen Datteln. Tief im dichten Unterholz versteckt und nur mit Mühe zu erreichen finden wir linkerhand eine alte Betonwand. Irgendwann in der Vergangenheit ist hier eine Gitterbox ins Rollen gekommen, die Wand herunter gestürzt und in Vergessenheit geraten. Die Natur hat sie nun im festen Würgegriff und läßt sie nicht mehr los.  



+++ Eine Zeitreise über das Gelände der Zechenbrache Emscher-Lippe 3/4 +++ +++ Eine Zeitreise über das Gelände der Zechenbrache Emscher-Lippe 3/4 +++


Das Jahr 2011 neigt sich dem Ende entgegen, die Natur zieht sich in den Winterschlaf zurück. Im Sommer verschluckt sie alles in ihrem erbarmungslosen Würgegriff. Unsere Truppe vom Bunkerprojekt-Datteln erhofft sich mit dem zurückweichendem grün der Bäume und Pflanzen weitere Relickte der Zechenanlage Emscher-Lippe 3/4 zu finden.Eine dritte Expedition ist in Planung. Welche Überbleibsel der Vergangenheit  werden wir diesesmal finden.

Wir beginnen mit unsere dritte Expedition am Centr-O-Med Datteln und gehen in Richtung Buswendeplatz vor dem Gelände der ehemaligen Zechenanlage Emscher-Lippe 3/4.Hier angekommen wenden wir uns gleich nach rechts ins Unterholz. Nach ein paar Schritten kommen wir an unsere erste Fundstelle. Ein deutlicher Versatz im Boden läßt uns hoffen etwas gefunden zu haben, welches der Erwähnung lohnt.


Hier haben wir ein Fundament entdeckt. Zu erkennen ist auch, dass an der Gebäudeecke ein Eingang gewesen sein muß. Die Stufen sind noch deutlich auszumachen.

Wir folgen der eingeschlagenen Richtung und machen nach gut 50 Metern erneut eine Entdeckung.



Die hier von uns gefundenen Überreste könnten zum ehemaligen Landabsatz gehört haben, der sich auf dieser höhe befand.

Nun wenden wir uns in Richtung Osten. Trotz der winterlichen Jahreszeit müsssen wir uns in diesem Bereich durch dichtes Unterholz schlagen. Nach ca. 100 Metern können wir eine runde frei Fläche ausmachen. In einem gleichmäßigem Kreis liegen hier Trümmerteile verteilt. Aufgrund der Lage können wir davon ausgehen, dass es sich hier um ein Fundament eines Kühlturmes handelt, der an dieser Stelle gestanden habt.



In direkter Nachbarschaft dieser Freifläche befinden sich in regelmäßigem Abstand Betonsockel im Erdreich. Was war das?




Es handelt sich hier um die Fundamente der Trägerelemente der Gasleitung die sich hier in der Vergangenheit befunden hat.

Nach unserer dritten Expedition dürften nun alle Überreste der Zechenanlage Emscher-Lippe 3/4 von uns dokumentiert sein.
   Durch den Bau der Dattelner-Wasserstadt wird sich Anfang des Jahres 2012 einiges von dem durch uns in Bildern festgehaltenem Zustand ändern. So wird die gesamte Kaianlage, an denen früher die Schiffe be- und entladen wurden, abgerissen werden.