Das Brandunglück -  bergmannsglück-datteln.de

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Das Brandunglück von 1941

Adolf Hitler hatte mit dem Überfall auf Polen am 01.09.1939 den zweiten Weltkrieg herauf beschworen. Damit zu diesem Zweck genügend Kriegsgerät vorhanden war, lief in den vielen Industrie- und Bergbauzentren des Deutschen Reiches die Produktion an Rohstoffen und Kriegsgeräte auf Hochtouren. Zur Fertigung in den Waffenschmieden des Reichs wurden neben Eisenerz natürlich auch Kohle zum befeuern der Hochöfen benötigt.
   Da schon zu diesem Zeitpunkt mehr Arbeiter gebraucht wurden als zu Verfügung standen wurden diese zunächst aus befreundeten Staaten angeworben. Hierbei war auch Italien unter Mussolini eine grosse Hilfe. Die fehlenden Arbeiter wurden aus verschiedenen Landesteilen Italiens ins Deutsche Reich geschickt. Hierrunter auch Männer aus Guardiagrele in der Provinz Chieti in den Abruzzen. Die Entbehrungen gewöhnten Menschen waren schwere Arbeit gewohnt und somit für diese Arbeit in den Bergwerken des Ruhrgebietes optimal geeignet. Zum zweiten umgingen die Männer den Einzug zum Wehrdienst an den Kriegsfronten.
   Tag ein, Tag aus gingen sie Ihrer Arbeit auf der Zeche Emscher-Lippe nach. Ihre Unterkunft fanden sie in verschiedenen Baracken und Gebäuden im Stadtgebiet von Datteln. Darunter auch die Wohnbaracken auf dem Gelände der damaligen Adolf-Hitler-Str. 196-198 (heute Castroper Str.).
   Hier kam es am 13.01.1941 zu einem folgenschweren Brandunglück dei dem 22 italienische Bergleute ums leben kamen. Die Ursache des Brandes ist heute leider nicht mehr zu erfahren. Auch gab es bis zum letzten Jahr keine Namen, geschweige den Fotos, der damals ums leben gekommenen Gastarbeiter. Berichte über den Hergang und das Entstehen des Brandes sind nicht mehr vorhanden oder schlummern in irgend welchen Archiven. Eine Zeitungsanzeige aus dem Jahr des Brandunglücks bringt uns auf die Spur was passiert sein könnte.


   An dieser Stelle kommt nun eine Mail von Dr. Proietti aus Augsburg ins Spiel. Von Ihm kam eine Anfrage ob es sich bei Fotos die von seinem Vater 1941 erstellt wurden um die Zeche Emscher-Lippe in Datteln handelt. Auf diesen Fotos war eine Trauerfeier zu erkennen. Da diese Fotos vergleichbar mit anderen schon veröffentlichen Bildern sind konnte ich Ihm bestätigen das es sich um die Zeche Emscher-Lippe 1/2 handelt.
   Wie kam nun der Vater von Dr. Proietti zu diesen Bildern?

Der italienische Fremdsprachenstudent Ugo Proietti aus Turin, der 1938 mit der im Rahmen eines Austauschprogramms nach Schlesien kam, erhielt danach die Aufgabe italienische Sprachkurse für Deutsche in Breslau, Dresden und Essen abzuhalten.
Er erstellte eine Fotoserie von 38 Bildern. Auf dieser Fotoserie ist eine Trauerfeier mit anschließender Überführung der Toten abgelichtet.
Anhand eines Briefes den er am 21.01.1941 seiner Verlobten Irene (einer Dresdnerin)schrieb, können wir diesen Termin festsetzen.
Übersetzung des Briefes von Ugo Proietti an seine Verlobten Irene.
+++
***Liebe Irene,
vielen Dank für deinen Brief.
+++Aber jetzt kommen wir zum hiesigen Leben. Das Wetter ist sehr seltsam, es ist sehr kalt gewesen, aber jetzt ist es warm geworden und der Schnee ist vollständig geschmolzen. Heute sind wir zur Beerdigung von 22 (zweiundzwanzig!) Italienern gegangen die bei der Feuersbrunst in einem Gefolgschaftsraum bei lebendigem Leibe verbrannt sind. Wir haben der heiligen Messe beigewohnt und haben die Särge zum Zug begleitet, der sie nach Italien zurück führen wird! Auf der Fahrt von Essen haben wir aus dem Bus die Landschaft gesehen: Sie ist grauenhaft, fürchterlich! Es ist alles schwarz, schwarz, schwarz die Pflanzen, das Gras, die Erde, die Häuser, der Himmel und es kommt das Bedürfniss auf, die Schönheit der vom Menschen nicht ruinierten Natur zu sehen.
+++
Als Anhang eine Kopie des Originalbriefes. Persönliche Textpassagen wurden hier unkenntlich gemacht.  


Folglich muss das Unglück vor diesem 21.01.1941 gelegen haben.
Nach einem Besuch im Kulturamt der Stadt Datteln war herauszufinden, dass das Unglück am 13.01.1941 sein Anfang genommen haben muss. In alten Berichten konnte man dieses nachlesen.
Anhand eines baupolizeiliche Lageplan der Wohnbaracke können wir erkennen, wo sich dieses Brandunglück ereignete.

Quelle: Fremdarbeiter,Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene von Reinhold Grau

Nach dem Brand wurde der Unglücksort auch von den Offiziellen der Regierungspartei begangen.


Blick in das angrenzende Wohngebäude welches ebenfalls beim Brand beschädigt wurde.

Quelle: Fremdarbeiter, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene von Reinhold Grau

Da die Italiener unter Mussolini und das Deutsche Reich zum Zeitpunkt des Unglücks noch Verbündete waren, wurde die Trauerfeier mit der anschließenden Überführung der Toten in ihre Heimat zu einer Propagandaveranstaltung aufgebauscht.
Der Reichsorganistionsleiter Rober Ley (in der  Bildmitte links) sowie der Italienische Botschaftsrat Michele Lanza (ganz links im Bild) waren mit Gefolge in Datteln erschienen um Ihre Anteilnahme kund zu tun.
Kollegen der ums Leben gekommenen Bergleute wurden zu dieser Totenmesse in die Sporthalle der Zeche Emscher-Lippe 1/2 aus dem gesammten Ruhrgebiet zusammen geholt. Abordnungen aus mehreren Städten waren vor Ort.
Unter diesen Trauergästen befand sich auch unser Fotograf Ugo Proietti.

Hier ein Bild vom 14.1.1941 links im Bild Michele Lanza und Robert Ley, Bildmitte.

Die nun folgenden Fotos wurden von Ugo Proietti während der Trauerfeier an diesem 21.01.1941 erstellt. Wir zeigen hier nur eine kleine Auswahl an Bildern, die uns durch Dr. Franco Proietti zur verfügung gestellt wurden.




Die Trauerfeier, mit anschliessender Überführung der Särge nach Italien, wurde von Pastor Josef Feldmann (Geistlicher in der Mitte) der Kirchengemeinde St. Josef in Hagem abgehalten.  

Wir wissen, dass es für einige Menschen verletzend sein kann wenn katholische Würdenträger in Verbindung mit Hakenkreuzfahnen abgebildet werden. Man sollte jedoch bedenken, dass die katholische Kirche während der NS-Zeit verfolgt wurde und sich diese Bilder immer wieder ergaben.
Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass diese Bilder als historisch und nicht politisch anzusehen sind.






In bereitgestellten Schnellzug-Packwagen der Deutschen Reichsbahn wurden die Särge der 22 toten Italiener in die Heimat gebracht und dort durch die Familien bestattet.

Um den Zeitlichen Ablauf verfolgen zu können sollte man sich die Fotos auf "angekommen.com" anschauen. Hier kann man, zum Beispiel an Hand der fehlenden Kerzen bei den aufgebahrten Särgen die unterschiedlichen Fototermine erkennen.

Quellen zur Erstellung dieses Berichtes:
-Fremdarbeiter, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene auf der Zeche Emscher-Lippe von Reinhold Grau.
-Jahrbuch des Amtes Datteln 1939-1951 (11 Jahrgang).
-Erinnerungen von Dr. Franco Proietti sowie Fotos seines Vaters Ugo Proietti.
-Zeitungsberichte der Dattelner Zeitung vom 14.und 15.01.1941
Wir danken Herrn Dr. Franco Proietti der mit Hilfe der Zusendung des Briefes seiner Eltern und der Bilder diesen Bericht ermöglicht hat.

Das Brandunglück von 13.01.1941 bekommt Namen und Gesichter die aus dem Dunkel der Geschichte auftauchen.

Die Bilder unten zeigen zum einen Domenico Colasante geboren am 17.01.1904 in Guardiagrele in der italienischen Provinz Chieti und zum zweiten, Algerino Alimonti geboren am 03.05.1902. Zwei der Opfer des Brandunglücks vom 13.01.1941.


Quelle des Fotos: Frau Maria Domenica Colasante (Italien)

Quelle des Fotos von Algerino Alimonti ist die Enkelin in Italien. Eine weitere Angehörige die sich nach Erstellung des Berichtes um das Brandunglück gemeldet hat. Leider ist dieses Foto aufgrund des alters in einem sehr schlechten Zustand.

Wieder holt uns die Geschichte des Brandunglücks ein. Frau Giuliana Santovito Enkelin von Donato Marrongelli sand uns ein Foto Ihres Großvaters zu. Geboren wurde dieser am 24.07.1905 in Rapino in der Provinz Chieti. Bei dem Unglück im Jahre 1941 hinterließ er seine Ehefrau und drei kleine Kinder. Zwei Jungen von neun und eine Tochter von fünf Jahren, die spätere Mutter von Frau Giuliana Santovito.

Nach Veröffentlichung der Fotos von Dr. Proietti meldete sich Maria Domenica Colasante aus Italien in der Redaktion der Internetseite des Bergmannsverein Bergmannsglück.
Hier schilderte Sie in einem Brief, wie Sie zu den ersten Informationen zum Tod Ihres Grossvaters kam.
Schon als Kind bat Sie Ihre Grossmutter Näheres zu den Umständen des Todes Ihres Grossvaters zu erzählen. In Ihrer Erinnerung, weiss Sie von Schilderungen, dass der Grossvater in Bochum ums Leben gekommen sein soll. Weitere Informationen waren nicht zu bekommen. Auf Antrag beim Einwohnermeldeamt von Guardiagrele bekam Sie eine Kopie des Totenschein Ihres Grossvaters ausgehändigt.
Erst hier stellte Sie fest, dass der Unglücksort nicht in Bochum, sondern in Datteln lag. Unter der Sucheingabe "Datteln 13.01.1941" kam Sie dann weiter. Hier entdeckte Sie die Fotos der Trauerfeier der ums Leben gekommenen Italiener in Datteln.
Sie war überrascht, dass die Trauerfeier hier in Deutschland solch einen grossen Rahmen gefunden hatte. Zitat aus dem Brief:
" Leider haben die Witwen und die Waisen nie die Wahrheit über den Brand erfahren, bei dem Ihre Angehörigen ums Leben gekommen sind. Im Gegenteil! Während in Deutschland, wie man aus den Bildern entnehmen kann, grosse Trauerfeierlichkeiten stattgefunden haben, wenn auch aus klarer politischer Propaganda, wurde in Italien vom damaligen "Ministro della Cultura e Spettacolo" (Kulturminister) verboten, in der Presse über die Rückkehr der Leichname der Italiener, die bei einem Brand in Deutschland ums Leben gekommen waren, zu berichten.
Auf Wunsch von Frau Colasante veröffentlichen wir hier auch den Rest der von Herrn Dr. Proietti zur Verfügung gestellten Fotos. Sie sind teilweise unscharf und verwackelt.





Auch Frau Colasante, einer der Angehörigen der getöten Bergleute, lässt das Unglück von vor fast 75 Jahren nicht mehr los. Sie ist in der Heimat auf der Suche nach weiteren Angehörigen der Opfer des Unglücks. Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2013 erreichte uns erneut eine Mail aus Italien. In dieser Mail beschreib Sie die Suche nach weiteren Angehörigen der Opfer vom 13.01.1941.
Zitat aus dem Brief;
"Ich wollte Ihnen mitteilen, dass ich Verwandte eines weiteren Opfers des 13.01.1941 ausfindig gemacht habe. Es handelt sich um den verstorbenen Donato Marrongelli, der aus einem Dorf namens Rapino, unweit von Guardiagrele, stammt. Der Familienname Marrongelli ist in Rapino - Dorf mit einer geringer Anzahl von Einwohner, die sich alle untereinander kennen - sehr häufig. Nachdem ich die Geschichte einem achzigjährigen Herrn aus dem Ort erzählt habe, war es sehr einfach die Angehörigen von Donato Marrongelli ausfindig zu machen."
An dieser Stelle möchten wir Dr. Proietti wieder einmal danken, dass er die aus Italien kommenden Mail´s ins deutsche übersetzt.